Beim Disease Staging handelt es sich um ein rein diagnosegestütztes Patientenklassifikationssystem, dessen Ergebnisse - unabhängig von Prozeduren und Ressourcenverbrauch - eine Objektivierung des Behandlungsprozesses ermöglicht.
Bereits gegen Ende der 60er Jahre wurde das System in den USA mit Hilfe von über 300 Millionen Patientendaten weltweit entwickelt und validiert. Ein Großteil der ursprünglichen Entwicklung wurde vom Office of Planning, Evaluation and Legislation, dem Beurteilungsorgan der Health Services Administration, zusammen mit dem damaligen Department of Health, Education and Welfare gesponsert. Die spätere Entwicklung von Disease Staging ist vom National Center for Health Services Research (NCHSR), ein Zweig des Public Health Service unterstützt worden.
Das Konzept des Disease Staging wurde eingesetzt, um medizinisch aussagekräftige (homogene) Patientengruppen im Hinblick auf den Schweregrad der Krankheit zu gewinnen. Es diente zudem als Mittel zur Qualitätssicherung in der ambulanten Krankenpflege.
Mit Hilfe des Disease Staging können valide und reliable Klassifikationen medizinischer Fallschwere, unabhängig von der gewählten Behandlung, in 607 Krankheitskategorien und ca. 5.100 Fallschwerestadien, sowohl auf Populationsebene wie auch auf Individualebene vorgenommen werden.
Schweregradklassifikation
Das Disease Staging ist ein Klassifikationssystem, das auf Basis von Routinedaten (§ 21 KHEntgG) klinisch homogene Krankheitskategorien (sog. DxCats) bildet.
Diese DxCats werden in der Folge mit Schweregraden der Erkrankung (sog. Stages) versehen. Stages können in weitere Substages aufgegliedert werden (z.B. 1.1, 1.2, ... 1.x). Die Abstufungen wurden von internationalen Expertengremien vorgenommen und mehrfach validiert.
Die Klassifikation basiert auf den pathophysiologischen Manifestationen der Erkrankung:
Software und notwendiger Datensatz
Voraussetzung für die Bestimmung des Schweregrades einer Erkrankung mit Hilfe von Disease Staging, sind Routinedaten der Kliniken oder Krankenkassen, die ohne zusätzlichen Aufwand vorhanden sind.
Die Software benötigt den für Krankenhäuser und Krankenversicherungen gesetzlich vereinbarten Datensatz gemäß § 21 KHEntgG (§ 301 SGB V), bzw. einen vergleichbaren Datensatz im ambulanten Bereich.
Das Resultat des „Staging-Vorganges" sind die unveränderten Eingabedaten, ergänzt um die Diagnosekategorien (DxCats) sowie der Schweregrad der Erkrankungen. Diese Daten können mit Hilfe von Standardsoftware weiterverarbeitet und analysiert werden.
Einsatzmöglichkeiten
Disease Staging kann ein integraler Bestandteil von Systemen zur Analyse der Ressourcennutzung sein. Die Ursache differierender Effizienz ist häufig auf unterschiedliche Verweildauern, Kosten und zu behandelnden Patientenkolletiven der Kliniken zurückzuführen. Durch den Einsatz des Disease Staging lassen sich diese Differenzen in der Ressourcennutzung aufgrund von Unterschieden zwischen Patienten adjustieren, so dass sich der Kunde ganz auf die Analyse der Differenzen aufgrund von unterschiedlichen Praktiken der Ärzte und Institutionen konzentrieren kann.
Die Analyse der Ressourcennutzung kann für einzelne Kunden durchgeführt werden. Deutlich mehr Aussagefähigkeit hat jedoch der von Schellen & Partner durchgeführte Vergleich (Benchmark) verschiedener gleich strukturierter Kliniken untereinander. So lässt sich beispielsweise die schweregradspezifische Verweildauer als Maß für die Ressourcennutzung einer stationär behandelten Erkrankung zwischen verschiedenen Kliniken aber auch im Vergleich zum Schellen & Partner - Benchmark auswerten.
Im Rahmen des Einsatzes von Behandlungsleitlinien kann das Disease Staging in zweierlei Hinsicht verwendet werden.
Im ersten Schritt kann mit Hilfe eines Benchmarks festgestellt werden, in welchen Bereichen der Einsatz von Behandlungsleitlinien medizinisch oder ökonomisch sinnvoll erscheint. Liegt beispielsweise die schweregradadjustierte Mortalität oder Verweildauer einer Erkrankung über dem Durchschnitt der Vergleichspopulation, so sollte bei diesem Morbiditätscluster eine Veränderung des Behandlungsprozesses erwogen werden.
Im zweiten Schritt können mit Hilfe von Disease Staging Ein- und Ausschlusskriterien des Behandlungsleitfadens definiert bzw. der Behandlungserfolg im Sinne einer Verbesserung des Krankheitsstadiums objektiviert und der Behandlungspfad validiert werden.
Disease Staging kann zur Beurteilung der Notwendigkeit einer Behandlung eingesetzt werden. Dies ist insbesondere im stationären Bereich möglich. Mit Hilfe der Schweregradklassifikation kann nachvollziehbar festgelegt werden, ab welchem Krankheitsstadium eine stationäre Aufnahme vertretbar und ab welchem Stadium eine stationäre Aufnahme indiziert ist. Die Überprüfung der Notwendigkeit einer stationären Behandlung durch den Kostenträger bzw. den Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MDK) nimmt seit der Einführung der DRG´s stetig zu.
Im Rahmen der gesetzlich festgelegten externen und internen Qualitätssicherung und dem Qualitätsmanagement von Krankenhäusern und ambulanten Einrichtungen kann das Disease Staging verwendet werden, um bei Ergebnissen und Kennzahlen morbiditätsbasierte Risikoadjustierung zu ermöglichen. So können Abweichungen in der Mortalität, der Wiedereinweisungshäufigkeit oder Komplikationen sowohl auf Unterschieden in der Morbidität der Patienten als auch beispielsweise strukturellen Problemen beruhen. Mit Hilfe von Disease Staging kann der Einfluss der Morbidität auf diese Kennzahlen aufgezeigt und objektiviert werden.
Für diesen Zweck ist der so genannte DS-Global-Risk-Score (DS-GRS) entwickelt worden. Er dient dazu, die Morbidität der Patientenpopulationen des Kunden auf Patienten- bzw. Einzelfallebene aber auch auf Fachabteilungs- bzw. Klinikebene darzustellen.
Im stationären sowie ambulanten Bereich kann das Disease Staging eingesetzt werden, um als risikoadjustierte Bewertung die Entscheidungen in Bezug auf integrierte Versorgung, Disease-Management-Programme und für Einkaufsmodelle zu erleichtern. Diese Form der Darstellung kann als Grundlage einer morbiditätsorientierten Vergütung genutzt werden. Auch kann die Qualität der Behandlung bestimmt werden, wodurch zum einen eine erfolgsorientierte Honorierung, zum anderen eine Qualitätskontrolle der Behandlung möglich wird.

Marcus Paczulla
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